NEO SPIESSER hat für euch zwei süddeutsche Rock Festivals auf spießertauglichkeit getestet und präsentiert hier das Ergebnis.

Da stehen wir Neospießer mal wieder im Zwiespalt: Gerne würden wir live den Klängen moderner Barden auf einem Festival lauschen und mitten im Geschehen sein, andererseits haben wir keinen Bock auf stressige Zeltplätze, Dixieklos und Bierduschen.

Immerhin haben wir ja jetzt genug Geld, um uns die teuren Eintrittskarten sowie Festivalbier und Speisen vor Ort leisten zu können. Also warum nicht mal auf ins Getümmel – aber wohin nur?

1) Rockavaria

Hintergrund

Geschichte von Rockavaria

Der Neuling unter den Festivals. Rockavaria fand erstmals 2015 im Münchner Olympiapark statt. Durch die regionale und zeitliche Nähe, sowie den gebuchten Headlinern, steht Rockavaria in direkter Konkurrenz zu Rock im Park. Rockavaria findet eine Woche vor Rock im Park statt und hat bisher Headliner wie Metallica, Iron Maiden und KISS präsentiert, die auch gern gesehene Gäste bei RIP in Nürnberg sind.

Wo findet Rockavaria statt?

Rockavaria findet direkt im Münchner Olympiapark statt. Eine Anreise mit Bus und Bahn ist daher gut möglich. Das Olympiagelände mit seinem nicht zu übersehenden 70er Jahre Look bietet zwei Bühnen für parallel spielende Bands. Eine Doppelbühne im Olympiastadion und eine wunderschöne Seebühne im Olympiasee.

Die Rockavaria Seebühne

Bei Regen bietet dieses Festival überdachte Sitzplätze im Olympiastadion. So kann man auch bei einem Gewitter in aller Ruhe die Headliner sehen.

Gibt es Zeltplätze bei Rockavaria?

Nein! Die Besonderheit dieses Festivals sind die fehlenden Zeltplätze. Mit einer sagenhaften Arroganz verzichtet man auf die Essenz eines 3-Tagesfestivals. Gut, uns Spießer stört das jetzt wenig. Wer dort aber dennoch die vollen 3 Tage verbringen möchte, darf sich eine Unterkunft in München suchen. Aufgrund dieses Mangels wird das Festival offensichtlich niemals denselben Stellenwert erhalten wie Rock im Park.

Publikum

Das Rockavaria Publik ist wunderbar homogen in schwarz gekleidet – Rocker aller Altersgruppen soweit das Auge reicht. Wer auffallen möchte, kommt hier im 80er Jahre Sonny Crocket Miami Vice Outfit. Die Tendenz geht ganz klar Ü30 bis Ü40. Endlich mal ein Festival auf dem man nicht der Älteste ist 🙂 Durch die Gleichheit der Zielgruppe ist die Stimmung herausragend und mit einer gewissen bayrischen Gemütlichkeit gemischt. Hier bestellt mein seine Getränke mit den Worten: „Mei Bier is Slayeer!“.

Bands

Bands bei Rockavaria

Der Fokus liegt ganz klar auf Rock und Heavy Metal. Musikalische Ausreißer gibt es so gut wie gar nicht, dafür aber Rock in jeder erdenklichen Form von Punkrock und Crossover (Dog eat dog, Sick of it all) über klassischen Metal (Iron Maiden, Slayer, Anthrax) bis hin zu Mittelalter Rock (In Extremo, Apocalyptica). Die Auswahl der Bands ist stark und bietet tolle neue Akts wie Sabaton und Ghost und auch echte Klassiker, die man nur selten live sieht, wie Faith no more oder Suicidal Tendencies.

Doppelbühne bei Rockavaria

Aktuell gibt es bei Rockavaria 3 Bühnen. Allerdings handelt es sich bei der Bühne im Olympiastadion um eine Doppelbühne. Das ist sehr originell und sorgt für schnelle Bandwechsel: Während eine Band auf der einen Bühne spielt, wird auf der anderen Bühne bereits für die nächste Band aufgebaut. Diese kann nahtlos starten, wenn die vorherige Band mit dem Programm fertig ist.

Rockavaria Doppelbühne im Olympiastadtion

So toll das in der Theorie klingt, führt das in der Praxis zu ganz neuen Problemen: Die Zeit, die man früher auf eine Band gewartet hatte, wurde wunderbar genutzt zum kurzen Relaxen, Bier holen, Pinkelpause, etc.. Nicht bei Rockavaria – hier geht es Schlag auf Schlag!

 

Toiletten

Auf Dixies wurde hier verzichtet, da das Olympiagelände über eine Menge stationärer Toiletten verfügt. Diese sind auch rund um die Uhr – für Festivalverhältnisse – gepflegt und sauber. Jetzt aber kommt der kleine Hammer: Im Olympiastadion, wo die Doppelbühnen für die Hauptacts stehen, gibt es keine Klos. Das bedeutet, dass ihr dutzende Treppen nach unten ins Stadion lauft und wenn ihr austreten müsst, könnt ihr den ganzen Weg wieder hoch und runter. Eine organisatorische Katastrophe!

2) Rock im Park

Hintergrund

Geschichte von Rock im Park

Rock im Park ist die Süddeutsche Parallelveranstaltung von Rock am Ring. Offiziell existiert Rock im Park schon seit 1993. Das nannte sich da allerdings Rock in Vienna und fand (Überraschung!) in Wien statt. Das Festival zog im nächsten Jahr weiter Richtung Norden und fand diesmal in München statt. Der Name dieser Veranstaltung war Rock in Riem.

1995 lief das Festival erstmalig unter dem Namen Rock im Park, da das Festival im Münchner Olympiapark stattfand. Das Rock im Park, wie wir es heute kennen, fand 1996 erstmals in Nürnberg statt und bot für einen Eintrittspreis von 110,- DM Headliner wie KISS, Aerosmith und Die Ärzte.

Eintrittspreise und Zuschauerzahlen haben sich seitdem vervielfacht. 20 Jahre später, im Jahr 2016 kommen zu Rock im Park fast 80.000 Menschen und zahlen 172,50 EURO für 3 – 4 Tage exzessive Party.

Wo findet Rock im Park statt?

Rock im Park findet größtenteils auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgeländes der NSDAP statt. Ein sehr geschichtsträchtiges Areal, das man auch unabhängig des Festivals einmal besucht haben sollte. Auf dem Zeppelinfeld, auf dem noch vor über 50 Jahren gruselige Naziaufmärsche stattfanden, wird heute die Sau raus gelassen, bis es nicht mehr schöner geht.

Wie auch bei Rockavaria findet das Festival direkt in der Stadt statt. Gute Anreisemöglichkeiten mit Bus und Bahn sind gegeben. Die Campingplätze liegen fast alle an einem See (Dutzendteich, Silbersee).

Collosseum Nürnberg

Ein Tipp für alle die täglich etwas früher auf den Beinen sind: Sowohl im Biergarten Gutmann als auch Bahnhof Dutzendteich kann man wunderschön Frühshoppen gehen.

Publikum

Rock im Park ist der Ballermann unter den Festivals. Da bei der Bandauswahl von Pop, HipHop über Techno bis hin zu Heavy Metal alles geboten wird, ist das Publikum dementsprechend breit gefächert. Von 16 bis 66 trifft man hier alles und jeden. Allerdings ist die Ü30 Fraktion ganz klar in der Minderheit, bloß nicht auffallen liebe Generation X! Ein nicht aufzuhaltender Trend sind verkleidete Menschen in Tierkostümen o.ä.. Man bekommt doch häufig den Eindruck, dass die Masse der Leute nicht wegen der Musik vor Ort ist. Die Stimmung ist gut, da kann man nichts sagen.

rock im park besucher

Bands bei Rock im Park

Wie schon erwähnt bietet Rock im Park das wohl breiteste Musikprogramm von allen Festivals in Deutschland. Für jeden Geschmack ist etwas dabei und das Schöne hier ist, dass man hier auch neue Musik entdecken kann. Die Headliner sind meist gestandene Rockbands und spielen eine komplette Show die meistens 2 Stunden dauert. Typische Headliner bei Rock im Park sind Metallica, Iron Maiden, Slipknot, Die Toten Hosen. Auch hier gibt es mit „The Prodigy“ Ausnahmen. Rock im Park hat aktuell 3 unterschiedliche Bühnen auf denen parallel, je nach Größe und Beliebtheit, Bands spielen. Die 3. Bühne ist die Nürnberger Arena und somit ein Indoor Spielraum mit Clubatmosphäre. Bei Regen kann man in die Halle flüchten.

Toiletten

Soweit das Auge reicht gibt es Dixieklos. Der Zustand dieser Klohäuschen verschlechtert sich von Stunde zu Stunde und manchmal muss man sich schon fragen, was in den Köpfen diverser Menschen vorgeht, wenn man am Spätnachmittag dort vorbeikommt. Für die betuchteren Besucher gibt es auch kostenpflichtige, feste Toiletten. Wer es schafft im ersten Wellenbrecher vor der Bühne zu stehen kann dort den kompletten Tag verharren, denn dort gibt es mittlerweile auch Dixies. Seit 2016 wurden auch an viel bevölkerten Wegen für die Jungs 4er-Pinkelstationen aufgebaut.

3.) Fazit unseres Festivalcheck

Im gesamten Test schneidet Rock im Park tatsächlich besser ab. In Sachen Organisation, Musik und Lage kann das junge Festival in München noch viel lernen. Wer allerdings nur Rockmusik hört, für den ist Rockavaria dennoch die bessere Adresse. Für einzelne Konzerte lohnt es sich eine Tageskarte zu holen, da es ohnehin keine richtigen Übernachtungsmöglichkeiten gibt.

Lasst es uns wissen, wo ihr im Sommer die Sau raus lasst und teilt eure Festivalerfahrungen mit uns. Schreibt dazu einfach hier oder auf facebook einen Kommentar. Wir freuen uns über jedes Feedback!

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